Dienstag, 08 Dezember 2015 00:00

Teilzeitkrankschreibung sorgt für Euphorie in Waldecker Betrieben Empfehlung

geschrieben von 
Artikel bewerten
(6 Stimmen)
Braucht nur noch 4 Stunden täglich arbeiten: Gerüstbauer Emil Glück Braucht nur noch 4 Stunden täglich arbeiten: Gerüstbauer Emil Glück Foto: 123rf/honoriert 39534847 - tibanna79

WALDECK. (wat) Endlich geht es den Simulanten an den Kragen. Die Politik hat den Faulenzern den Kampf angesagt und das mit Fug und Recht.

Seit 2006 hat sich das Krankengeld, dass Betriebe und Krankenkassen an arbeitsunwillige Arbeitnehmer zahlten, nahezu verdoppelt.  Im Jahr 2014 erreichten die Ausgaben mit fast 11 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Die Ursache: Massenhaft gelbe Scheine - ausgestellt durch gewissenlose Allgemeinmediziner! Das soll sich nun ändern. Auch bei einer Krankschreibung sollen Beschäftigte künftig zumindest teilweise arbeiten. Weg von der "alles-oder-nichts"  Regelung, hin zur Krankschreibung nach den Vorstellungen der Politiker. Derzeit schreibt ein Arzt seine Patienten zu 100 % krank oder er schickt sie zur Arbeit. Dazwischen gibt es nichts. Das hat jahrzehntelang ordentlich funktioniert, bis sich die Erwerbstätigen durch Schein-Atteste wie zum Beispiel "Faulenzia Vulgaris"  oder "Arbeitslähmung" auf  Kosten anderer ausgeruht haben.  Die neue "Gröhe 5" Reform will den "Bewegungsökonomen" das Handwerk legen und startete bereits im November dieses Jahres die geheime Aktion "Minematiker-Faulenzen schwer gemacht", in Waldeck-Frankenberg. Die neu herausgegebene Broschüre ist in allen Arztpraxen und bei sämtlichen Krankenkassen erhältlich.

 

In dem "Gröhe 5" Pilotprojekt, an dem sich 14 Hausärzte und 1269 Betriebe aus Waldeck-Frankenberg beteiligten, wurde in erschreckender Weise klar, dass die Wirtschaftskraft in Deutschland durch die Sozialschmarotzer nicht wie üblich bei jährlich 1,7 - 2,5 % gelegen hätte, sondern Zuwachsraten im zweistelligen Bereich - ähnlich dem chinesischen Modell - möglich gewesen wären. Ein Arzt aus Korbach bestätigte dem Waldecker Tagblatt: "Früher habe ich einen Patienten mit Unterschenkelhalsbruch komplett krankgeschrieben, heute nur zu 50%".  Ebenso erging es dem 61-jährigen Karl Wimmer aus Diemelsee, dieser hatte sich selbstverschuldet eine schlimme Erkältung mit Fieber eingefangen und wurde von seinem Hausarzt zu 12 % krankgeschrieben, da der 61-Jährige keine Gliederschmerzen und nur geringen eitrigen Auswurf vorweisen konnte. "Anstelle von 8 Stunden brauchte ich nur 7 Stunden arbeiten", gab der nun Herzkranke Karl Wimmer röchelnd gegenüber unserer Redaktion bereitwillig Auskunft, bevor er für immer von dieser Welt schied.

 

Den Firmen kommt die neue Reform entgegen, da sie lediglich die geleisteten Arbeitszeiten ihren Mitarbeitern vergüten müssen. Ein Unternehmer aus Bad Arolsen hatte im Monat November einer Mitarbeiterin ganze 286,34 Euro ausbezahlt, da die 38-Jährige nur 23 % Arbeitsleistung erbringen konnte. Der Unternehmer: "Das hat sich die Gute selbst zuzuschreiben, vorbei mit der Bereitschaftsinsuffiziens und dem Bimboismus", so der vollschlanke Chef gegenüber der Redaktion von waldecker-tagblatt.de. Mit anderen Worten: In Deutschland herrscht wieder Gerechtigkeit. Das Motto der schlauen Arbeitnehmer, dass Intelligenz plus Faulheit gleich Effizienz bedeutet, wird mit der neuen "Gröhe 5" Struktur außer Kraft gesetzt. 

Einen Wermutstropfen hat das Ganze natürlich: Die Krankenkassen müssen noch mehr Personal einstellen und sich mit zusätzlicher Bürokratie herumärgern.

Anzeige:

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 09 Dezember 2015 11:35

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.