Montag, 26 Januar 2015 00:00

Letzte Satire-Sau in Waldeck erlegt Empfehlung

geschrieben von  Seudo Nühm
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Mit feuchter Scheibe und Maiskolben im Gebräch posierte Keiler Karl im Spätsommer vor der Presse Mit feuchter Scheibe und Maiskolben im Gebräch posierte Keiler Karl im Spätsommer vor der Presse Foto: Waldecker Tagblatt

WALDECK. (wat) Ein erbarmungsloser Jäger hat am Diemelsee die letzte, noch lebende Satire-Sau geschossen.

Die Fahnen hängen im Fürstentum Waldeck auf Halbmast. Am vergangenen Samstag wurde der beliebte "Keiler Karl"  heimtückisch  von einem gemeinen Jäger hingemeuchelt. Karl oder Karlchen, wie ihn die Jäger und Landwirte liebevoll genannt haben, war die letzte Satire-Sau ihrer Art. Immer fröhlich und für jeden Gaudi zu haben, setzte der vierjährige Keiler gern seine Waffen ein, um auf den Bauernhöfen am Diemelsee, die Silorundballen mit Frischluft zu versorgen. Erst kürzlich hatte Karlchen auf den Wiesen von Bauer Pohlmann noch den Boden aufgelockert, damit im Frühjahr das Gras besser wachsen konnte und im vergangenen Herbst jubelten die Landwirte dem Keiler zu, wenn er mit dem Maiskolben im Gebräch aus dem Feld ins Waldrevier zog, um sich mit vollem Bauch in den Kessel zu schieben. Auch die Jägerschaft war bis zum Schluss rührend um den Hosenflicker bemüht.So wurde kürzlich bekannt, dass ein Jagdpächter der Stormbrucher Gemeindejagd  zentnerschwere Maissäcke an die Kirrungen getragen hatte um dem Keiler die lästige Nahrungssuche im Feld und im Wald zu ersparen. Auch die 1000 Euro Geldstrafe, die der Pächter der Unteren Jagdbehörde für das unerlaubte Kirren bezahlen musste, konnte der Hilfsbereitschaft nichts anhaben.    

Am vergangenen Samstag wurde Keiler Karl mit einem 9,3 Millimeter großen Loch in der Schwarte auf dem Feld in der Nähe der Eschenseite von einer Kindergartengruppe tot aufgefunden. Das tödliche Geschoss ist nach Angaben der Polizei von links in den Körper eingedrungen, hat die rechte Herzkammer zerstört und ist auf der anderen Seite des Wildkörpers wieder ausgetreten. Ein Polizeisprecher sagte auf Nachfrage von waldecker-tagblatt.de: "Der Keiler ist tot". Wieso allerdings ein Fichtenzweig im Gebrech des Keilers hing, wird vermutlich ein Geheimnis bleiben. Nur wenige Stunden nach der Tat meldete sich ein Jäger aus Frankenberg bei der Polizei und gestand die Tat. Dem 86-jährigen Jäger droht nun der Entzug von Jagdschein und Jagdwaffen.

Der Fürst von Waldeck hat zu Ehren der letzten Satire-Sau ein Kondolenzbuch bei Facebook geöffnet: Hier Klicken!

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Letzte Änderung am Montag, 26 Januar 2015 18:15

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