Montag, 23 Februar 2015 00:00

Drückjagd: Spaziergänger mehrmals von Jägern beschossen Empfehlung

geschrieben von  Seudo Nühm
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Jagdpächter, die diesen Warnhinweis im Revier anbringen, sind auf der sicheren Seite Jagdpächter, die diesen Warnhinweis im Revier anbringen, sind auf der sicheren Seite Foto: Waldecker Tagblatt

WALDECK-FRANKENBERG. (wat) Weil ein Spaziergänger den Warnhinweis eines Revierinhabers ignoriert hat, wurde er mehrmals angeschossen.

Zu Recht, wie das OLG in Frankenberg in seinem Urteil (Az: 08/15 v.25.02.2015/FKB-OLG) vom 25. Februar dieses Jahres begründet.

In den frühen Morgenstunden des 23. Dezember 2013 betrat Frank Bernau aus Bontkirchen den Staatsforst am Diemelsee um wie in jedem Jahr, traditionell einen Spaziergang zu unternehmen. Den Warnhinweis (siehe Titelbild) im DIN A Quer-Format mit einer Reißzwecke an einer alten Buche befestigt, hat der Spaziergänger Frank Bernau anscheinend ignoriert. Er selbst behauptet, die Warnung trotz intensiver Suche nicht bemerkt zu haben.  Mit einer Fuchsschwanzsäge bewaffnet, sei Frank Bernau versehentlich vom Wege abgekommen und habe unbewusst eine Fichtendickung aufgesucht, als es aus allen Rohren geknallt habe und er unerwartet aus mehreren Richtungen beschossen wurde, erinnerte sich Frank Bernau.  Insgesamt 13 Schussverletzungen und etliche Stich,- und Bisswunden, wurden dem 32-jährigen Bontkirchener zum Verhängnis. Der Jagdherr und Revierinhaber forderte deshalb vor Gericht eine Entschädigung.

 

Rund 40 Jäger, die an der Drückjagd teilgenommen hatten, wurden als Zeugen vor Gericht geladen und bestätigten einhellig die Version des Revierinhabers Hubertus Freiherr von Labskaus. So sagte der schon greise Constantin Freiherr von Ehrenmann aus, dass er mit seinem Suhler Drilling auf etwas Dunkles und gebeugtes geschossen habe, das hoch flüchtig auf eine  Fichtendickung zugelaufen sei. Auf Grund seiner schlechten Augen habe er aber nicht mit Sicherheit erkennen können, ob die beiden Schrotladungen ihr Ziel erreicht haben: "Aus Sicherheitsgründen habe ich dem Stück noch die 8 x 57 IS aus dem Kugellauf hinterher geschickt", bestätigte der 98-jährige Schütze seine jagdliche Passion, bevor er auf der Zeugenbank im Gericht wieder eingeschlafen war.

 

Auch Graf Fridolin von der Esse, der eigens aus Afrika angereist war, um mit seiner Mauser im Kaliber 500 Nitro Express den Hauptschweinen auf die Schwarte zu rücken, gab sich vor Gericht reserviert: "Ich wollte auf der Jagd endlich meinen Lebenskeiler strecken, stattdessen habe ich meine teuren Patronen auf diesen Hallodri abgefeuert und zu meiner Schande nur zwei mal getroffen", gab sich der blaublütige Jäger als Zeuge vor Gericht enttäuscht. Dagegen waren die beiden Brüder Richard und Christian von Wahllos mit ihren Deutschüssen recht erfolgreich. Die beiden Brüder bestätigten nicht ohne Stolz, dass sie jeweils 5 Magazine a 5 Schuss in die Fichtendickung abgegeben  und dabei mehrmals deutliches Klagen vernommen hätten. Das anschließende Schnallen der Hundemeute war reine Formsache und gehört zur jagdlichen Tradition. In Erinnerungen schwelgte vor Gericht auch Hundeführer Michael von Papen, der seine 12 Wachtelhunde vom Stand aus ins Treiben schickte und sah, dass sein treuer DW-Rüde Hasso von der Leine, der als erstes Frank Bernau erreichte und sofort den Kehlgriff ansetzten konnte. Der Rüdemann, der die Tränen der Rührung kaum zurückzuhalten vermochte, sagte mit einem sichtbaren Kloß im Hals: "Auf meinen alten Hasso ist immer noch verlass Herr Richter". Richter Roland Freisler-Fies,  nickte dem Hundeführer im Zeugenstand nach dessen Aussage anerkennend mit den Worten zu: "Deutschland braucht mehr Menschen und Hunde von ihrer Sorte".  Nachdem die Hundemeute sich an Frank Bernau fest verbissen hatte und zu allem Überdruss die Treiberwehr mit ihren Saufedern die Kreatur abfangen wollten  und erst sehr spät erkannten, dass sich der am Boden windende ein Mensch war, wurde die Jagd abgeblasen. Ein 55-jährige Treiber erinnerte sich genau und beschrieb die tadellose rote Arbeit nach dem Schuss wie folgt: "Als mein Adrenalinschub nachließ und ich wieder klar denken konnte, habe ich die Hunde abgerufen und  den Jagdherrn sofort über Handy informiert. Hubertus Freiherr von Labskaus entschied nach ca. einer Stunde spontan, den angeschweissten Mann zu bergen. Ich habe dazu meine Wildbergehilfe genommen, den Unterkiefer von Frank Bernau mit dem Waidblatt aufgeschärft, den Haken fachmännisch ins Gebrech des 32-Jährigen geschlagen und diesen mit dem Kopf zuerst aus der Dickung gezogen", berichtete der Treiber voller Stolz dem Staatsanwalt und dem Richter. 

 

Auf die Frage des Richters, welhalb der Beschuldigte nicht wie ausdrücklich beschrieben, den Hut geschwenkt habe, wich Frank Bernau mit Achselzucken und der blödsinnigen Antwort aus, dass er keinen Hut besitze. Auch die Frage von Staatsanwalt Büchsenschütz (ebenfalls Jäger), ob der Beschossene nicht vielleicht doch mit Fuchsschwanzsäge bewaffent einen Tannenbaum stehlen wollte, verneinte der 32-jährige Bontkirchener den Vorwurf. Für Richter Roland Freisler-Fies stand somit fest, dass Frank Bernau absichtlich eine Straftat vorgetäuscht habe und die folgenden Ereignisse das Resultat von Ignoranz und Dummheit seien. Das Gericht zog sich zu einer dreiminütigen Beratung zurück und erklärte den Spaziergänger Frank Bernau in allen Anklagepunkten nach dem Reichsjagdgesetz von 1934 für schuldig. Für die nächsten zehn Jahre muss der Bontkirchener dem Jagdherrn Hubertus Freiherr zu Labskaus als sogenannter "LENOR" dienen. Das Strafmass wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt und die Strafe muss sofort angetreten werden, begründete Richter Roland Freisler-Fies sein mildes Urteil. Auch Staatsanwalt Büchsenschütz gab sich mit der Entscheidung des hohen Gerichts einverstanden, ermahnte aber nochmals den Delinquenten mit den Worten: "Fordern Sie ihr Glück nicht noch einmal heraus" und an die Schützen gewandt wünsche er sich beim nächsten Mal ein besseres Schießergebnis, lobte aber die Hunde und das umsichtige Verhalten von Hundeführern und Treibern.       

Letzte Änderung am Freitag, 27 Februar 2015 12:01

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