Dienstag, 10 März 2015 00:00

Ein Jäger aus Diemelsee schreibt einen ergreifenden Abschiedsbrief: Hochwildjäger sagt "Danke" Empfehlung

geschrieben von  Seudo Nühm
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Der Feisthirsch ist das Waldgespenst, das du nur ahnst, doch niemals kennst; denn wo er geht, da steht er nicht, und wo er steht, da geht er nicht und ist bloß hoch bei Sternenlicht Der Feisthirsch ist das Waldgespenst, das du nur ahnst, doch niemals kennst; denn wo er geht, da steht er nicht, und wo er steht, da geht er nicht und ist bloß hoch bei Sternenlicht Foto: Waldecker Tagblatt

DIEMELSEE/SACHSENBERG/VIERMÜNDEN. (wat) In einem ergreifenden Abschiedsbrief sagt ein Waidgenosse "Danke und Waidmanns-Heil"...

Wenn am Donnerstag, den 12. März ein Platz am Jägerstammtisch im "Kornhaus" für immer frei bleibt, werden die zurückbleibenden Jagdfreunde ihre Trauer in Bier und Schnaps ertränken müssen. Dem Waldecker Tagblatt wurde der Brief des abgängigen Jagdpächters vorab per Mail gesendet. Einen Namen möchte der hirschgerechte Waidmann nicht nennen, da diese sensible Angelegenheit nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Der Brief wurde dem Stormbrucher Schankwirt in einem Umschlag verschlossen, ebenfalls zugesandt. Dieser wird die Nachricht an die verbliebenen Stammtisch-Jäger am Donnerstag überbringen.

Hier der Brief in der Originalfassung:

Liebe Waidgenossen,

schweren Herzens möchte ich mich von euch verabschieden und wünsche allen Jägern, die mich über die letzten Jahre hinweg ins Herz geschlossen haben, für die Zukunft alles erdenklich Gute, viel Waidmanns-Heil und fette Beute. Auch wenn ich glaube, das ihr, wie in den Jahren zuvor, nichts an den Haken bekommt, da entweder eure Schießergebnisse zu wünschen übrig lassen oder ihr wie immer nicht aus den Federn kommt und die Böcke wie auch die Sauen weiterhin ein sorgenfreies Leben im Upland und am Diemelsee genießen können. Als zukünftiger Pächter einer Hochwildjagd im Frankenberger Raum bin ich zu höherem Berufen und so werde ich die Niederwildjagd am Diemelsee meinem bisherigen Jagdfreund gänzlich überlassen. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich meinem Mitpächter aus Boshaftigkeit und Jagdneid die Ansitze mit Hokinol verstänkert - oder die Malbäume an den Suhlen mit frischem Schlamm beschmiert habe, um Schwarzwildvorkommen vorzutäuschen. Auch die alten Böcke, die nimmer aufzufinden waren, sind ein Opfer meiner Mauser im Kaliber 9,3  geworden, ohne dass Jemand etwas gemerkt hat. Darüber hinaus habe ich gelogen, dass sich die Balken gebogen haben, nicht weil ich einen schlechten Charakter habe, sondern allein aus dem einzigen Grund, weil  ihr es nicht anders verdient habt. So bleiben meine Tächtelmächtel mit euren Weibern immer zu den Zeitpunkten, wenn ich zur gemeinsamen Ansitzdrückjad enlud,  in allerbester Erinnerung. Habt ihr euch eigentlich nie gefragt, weshalb ich müde und eure Frauen nach solch einer Ansitznacht beglückt schienen? Im übrigen sind die vermeintlichen Wachtelhunde, die ich euch als reinrassige Jagdhunde für teuer Geld verkauft habe wertlos und ein Mischprodukt aus einem Pudel und einem Collie. Nach erfolgreichen Jagden in Russland und der Erlegung des Auerwildes bin ich letzte Woche von meinem treuen Jagdfreund Lars Figge mit dem Waidblatt zum Hirschgerechten Jäger geschlagen worden, auch in der Annahme, dass ich den zugewiesenen Hirsch der Klasse 1A im Herbst dieses Jahres strecken werde. Ich möchte euch daher bitten, mir keine Jagdeinladungen mehr zu schicken, nicht dass ich ins Gerede komme. Das ich euch nicht zu Ansitz- oder Drückjagden einladen werde, versteht sich von selbst. So, ihr treuen Rüdemänner, Jagdhornbläser, Jäger und trinkfeste Gesellen, ihr wisst selbstverständlich nicht, wer euch diesen Brief geschrieben hat. Allein der Stuhl beim Jägerstammtisch der frei bleibt, wird euch Auskunft darüber geben, wen ihr in eurer Mitte vermissen werdet. Ich weise noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass ich vermutlich beim "Grünen Abend" am 11. April 2015 neben dem 1. Vorsitzenden der Waldeckischen Jägerschaft sitzen werde und bitte höflichst darum, von euch nicht kontaktiert oder gar angesprochen zu werden.

So gehabt euch Wohl ihr treuen Freunde. Grämt euch nicht um den Verlust in euren Reihen.

Euer Hochwildjäger und Jagdpächter

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Letzte Änderung am Mittwoch, 11 März 2015 18:29

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