Dienstag, 14 April 2015 00:00

Streit um Hochsitz eskaliert - Jagdpächter geht in die Knie Empfehlung

geschrieben von  Seudo Nühm
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Fühlt sich wie ein Römischer Imperator: Jagdpächter Burghardt Fühlt sich wie ein Römischer Imperator: Jagdpächter Burghardt Foto: Privat/nh

EIMELROD. (wat) In der Upländer Gemarkung Eimelrod scheint es eine Neuauflage der Varusschlacht gegeben zu haben. Getötet wurde allerdings niemand.

Der neue  Jagdpächter Burghardt C. ist seit dem 1. April 2015 Jagdausübungsberechtigter der Gemeindejagd Eimelrod und liebt den Hochsitzbau über alles. Mehr noch als das Jagen selbst. Sehr zum Leidwesen des langjährigen Pächters Bernd I., der seit Jahren das Jagdrevier Mühlenberg betreut und Ansitzeinrichtungen so gut wie gar nicht leiden kann. Schon garnicht, wenn sie im gegnerischen Revier stehen. Das Problem dabei: Die beiden Reviere stoßen aneinander und die Demarkationslinie sorgt seit Beginn des neuen Jagdjahres  für Zündstoff.

 

Während Jäger Burghardt C. an seiner Jagdgrenze einen neuen Limes baut und seine Ansitzeinrichtungen wie Wachtürme in der Gemarkung stehen, lag Bernd I. in Grenznähe in seinem Revier auf der Lauer, beobachtete das schändliche Treiben mit Unbehagen und hielt den Bau des Westwalls mit seinem Fotoapparat fest. Besonders ärgerte sich Bernd I. darüber, dass bei jedem neu errichteten Untergestell, sich der Jagdnachbar in aufreizender Pose dem Mühlenberg zuwandte und einem römischen Legionär gleich, sein Schwert in den Himmel reckte. 

 

Bis bei Bernd I. aus Usseln die Idee aufkeimte, die Angelegenheit nicht wie ein Vandale mit der blanken Waffe zu bereinigen, sondern so, wie es sich für normale, gut bürgerliche Mitteleuropäer geziemt. Als sich die beiden Jagdpächter an der Demarkationslinie trafen, machte Bernd I. den Vorschlag dass man sich gegenseitig, mit nur einem Fußtritt außer Gefecht setzen sollte um schwere Verletzungen zu vermeiden. Derjenige, der am wenigsten aushält, also am längsten am Boden liegt, muss entweder die Sitze abbauen oder darf sich am Hochsitzbau des anderen nicht weiter stören.  Burghardt C. stimmte zu, auch dem Vorschlag von Bernd I. folgend, dass derjenige zuerst getreten wird, der das kürzere Streichholz zieht. Und tatsächlich, von den beiden Streichhölzern zog Jäger Burghardt den Kürzeren, stellte sich an die Reviergrenze und schon schoss der stahlkappen beschwerte Jagdstiefel von Bernd I. zwischen die Beine des "Legionärs". Rund 40 Minuten lag der Eimelroder Pächter auf der Erde, klagte wie ein waidwundes Wildschwein und hielt sich die Brunftkugeln, als wolle er diese noch nachträglich schützen. Jagdpächter Bernd I. stoppte emotionslos die Uhr und bezifferte die Zeit, die sein Kontrahent am Boden gelegen hatte, auf exakt 41 Minuten und 13 Sekunden.

 

Als  Burghardt C., schwankend und mit schmerzverzerttem Gesicht auf die Beine kam, sagte er: "So, jetzt bin ich mit treten dran". Der windige Pächter vom Mühlenberg hingegen antwortete salopp: "Vergiss es, lass ruhig die Sitze stehen", drehte sich um, zündete sich seine Pfeife mit einem abgebrochenen Streichholz an und verschwand im Wald.

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Letzte Änderung am Mittwoch, 15 April 2015 06:10

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