Mittwoch, 27 Mai 2015 00:00

Zukunftsbock im Waldecker Land geschossen - Behörde ermittelt Empfehlung

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Wird seine Gene nicht weitergeben können: Rehbock Hermann Göring Wird seine Gene nicht weitergeben können: Rehbock Hermann Göring Foto: Waldecker Tagblatt

WALDECKER-LAND. (wat) Ein für die Population wichtiger Zukunftsbock wurde gestern Abend in einem Revier am Diemelsee erlegt.

Er sollte den Fortbestand der Rehwildpopulation im Waldecker Land sichern. Die Rede ist vom edlen Rehbock namens "Hermann Göring", der ganzjährig Schonzeit genoss und als Spießer im Waldecker Land die Schmalrehe und Ricken beglückte. Der etwa 12-jährige Rehbock musste gestern um 20:59 Uhr in einem Revier am Diemelsee sein Leben lassen, weil ein Jungjäger (Name der Redaktion bekannt) das edle Tier nicht fachkundig genug angesprochen hatte. Auf ca. 80 Meter trug der Schütze dem Bock die Kugel an. Später gab der Jäger zu, seinen Jagdschein in einem zweiwöchigen Schnelldurchgang an einer Jagdschule erworben zu haben. Der Rehwildsachverständige des Landkreises Waldeck-Frankenberg bestätigte den Abschuss des Zukunftsbockes als zu früh: "Der hätte noch gehen können", so sein Urteil.

 

Wahrscheinlich wäre die Bluttat gar nicht öffentlich geworden, wenn ein aufrichtiger Jagdnachbar, der sich an der Grenze positionierte, das schändliche Treiben nicht ordentlich dokumentiert hätte. Dem Waldecker Tagblatt berichtete Norbert D. aus Meineringhausen folgendes: "Ich habe wie immer an der Grenze zu meinem Reviernachbarn gesessen, weil ich denen nicht über den Weg traue. Da fallen des öfteren Schüsse, die ich nicht zuordnen kann. Mit meinem Fernglas habe ich die ganze Zeit den Sitz beobachtet, auf dem der Nachbarschütze verweilte, als sich pünktlich um 20:58 Uhr ein Gewehrlauf aus der Schießscharte des Hochsitzes schob, dahinter ein diabolisch grinsendes Gesicht und nach wenigen Sekunden brach der Schuss.  Ich bin dann sofort ins Nachbarrevier gerannt um nach dem Rechten zu schauen. Als ich beim Schützen ankam, sah ich, dass dieser Hallodri den "Hermann" erlegt hatte. Zu allem Überfluss steckte der Kerl dem Bock auch noch Blattwerk in den Äser, so, als wolle er ihn durch Nahrung wieder zum Leben erwecken", bestätigte der 60-jährige Jäger den Tathergang. Die Fotos, die der Beutejäger von seinem "ersten Bock" gemacht hatte wurden eingezogen und heute der Unteren Jagdbehörde in Korbach als Beweismittel übergeben. Waffe, Jagdschein und Fernglas des Schützen wurden eingezogen und die Anzeige wegen Töten eines Wirbeltieres aus niedrigen Beweggründen auf den Weg gebracht.

 

Ob es einen Nachfolger für "Hermann Göring" gibt, ist nicht bekannt. Die Waldeckische Jägerschaft wird aufgefordert, nach einem passenden Zukunftsbock Ausschau zu halten. Die Frage, ob sich der Rehwildbestand ohne "Hermann Göring" weiter entwickeln kann, wird sich erst in einigen Jahren  beantworten lassen. Vorsichtshalber wird ab dem 1. Juni 2015 eine ganzjährige Schonzeit auf Rehwild in Waldeck-Frankenberg eingeführt.

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Letzte Änderung am Mittwoch, 27 Mai 2015 08:44

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