Freitag, 19 Juni 2015 00:00

Es wächst: Jagdpächter erfolgreicher als Landwirte Empfehlung

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Bei den Jagdpächtern wächst es... Bei den Jagdpächtern wächst es... Foto: Waldecker Tagblatt

WALDECK-FRANKENBERG. (wat) Während die Landwirte im Landkreis ihr Land und den lieben Gott verdammen, freuen sich die Jagdpächter und das Wild über ihre Wildäcker.

Der liebe Gott schickt keinen Regen, die EU weniger Subventionen und auf den Äckern und Wiesen wächst das Getreide und das Gras nicht. Die Landwirte sind schier verzweifelt, weil sie den Kühen und Rindern kein Saftfutter in die Raufen werfen können und für teuer Geld Futter zukaufen müssen. In der Tat ist das Jahr 2015 eines der trockensten Jahre seit 1959. Nun wollen die Landwirte auf die Wildäcker der Jäger in Waldeck-Frankenberg zugreifen und fordern vom Landrat eine Notstandsverordnung, die es den Landwirten erlaubt, sich an den Wildäckern der Jagdpächter auszutoben. "Alles kommt ab - und zu mir auf den Hof" freut sich Landwirt Fritz Räuber aus einem Ortsteil von Diemelsee.  

 

Im Gegensatz zu den Landwirten haben die Jagdpächter auf ihren Wildäckern bereits Hochkonjunktur. Bienen, Wespen und Hummeln ernten schon jetzt den Nektar und bestäuben die Obstbäume, die in den letzten Jahren von den Jägern gepflanzt wurden. In den Abendstunden fliegen die Fledermäuse über die Wildäcker und holen sich ihren Teil an Stechmücken, Fliegen und Getier aus der Luft. Auf den Äckern gedeiht Markstammkohl, Schwarzhafer, Buchweizen, Malve, Inkarnatklee und Waldstaudenroggen bis zur Taille und das alles ohne Einsatz von Pestiziden und Herbiziden. Jagdpächter Karl-Maria Tietze aus Castrop-Rauxel ist wenig überrascht über die Misserfolge der Landwirte auf ihren Flächen: "Hecken roden, mit der Giftspritze ganzjährig und breitflächig Herbizide und Pestizide ausbringen, das Land mit Gülle zuschäumen und Maisanbau bis zum Horizont betreiben, das konnte ja nicht gutgehen", sagte der Pächter einer Niederwildjagd dem Waldecker Tagblatt.  

 

In der Tat sieht man auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen weder roten Klatschmohn noch die blaue Kornblume. Selbst der gelbe Löwenzahn auf den Wiesen wird tot gespritzt, damit noch mehr Masse in die Rundballen gepresst werden kann. Der Weizen und der Hafer wird klein gespritzt und mit Tonnen von Nitrat gedüngt. Nun scheint sich die Natur zu rächen. Unser Trinkwasser wird durch Überdüngung immer schlechter, die Böden sehen aus wie in der Wüste Gobi und wenn die Prognosen der Pharmaindustrie stimmen, soll ab dem Jahr 2016 der fünfte und sechste Grasschnitt mit dem neuen Pflanzenwachstumsmittel "Mo-Ne-Ten®" das Wohl der Landwirte sichern.

 

Wie die Landwirte den geringeren Wildschaden ausgleichen wollen, bleibt allerdings ein Geheimnis. "Eventuell wird den Jagdpächtern eine Sondergebühr für die Wildackernutzung auferlegt - das wäre auch gerecht", so Landwirt Fritz Räuber. Eine Entscheidung darüber wird nicht vor der Landratswahl am 5. Juli erwartet.

Fotos: waldecker-tagblatt.de

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Letzte Änderung am Freitag, 19 Juni 2015 09:38

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