Sonntag, 12 Juli 2015 00:00

Ärztemangel auf dem Land - Nicht in Flechtdorf Empfehlung

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Sag mal Ahhhh... Sag mal Ahhhh... Foto: Waldecker Tagblatt

DIEMELSEE. (wat) Unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" wurde in Flechtdorf ein Projekt ins Leben gerufen, das Respekt verdient.

Der aktuelle Ärztemangel in der Gemeinde Diemelsee droht sich noch zu verschärfen, da in absehbarer Zeit ein Allgemeinmediziner aus Adorf in den wohlverdienten Ruhestand wechseln wird. Bei den Zahnärzten sieht es ebenfalls nicht rosig aus, die Wartelisten der Patienten lesen sich wie Leo Tolstoi´s 1598 Seiten starker Roman "Krieg und Frieden". Allerdings befinden wir uns nicht im Russland des Jahres 1868, sondern im Jahr 2015 und das mitten in Europa. Wie soll den steigenden Patientenzahlen entgegen getreten werden? Welche Alternativen stehen den Bürgern von Diemelsee zur Verfügung? Von der Politik wird keine Lösung erwartet, daher kommt die Antwort von einem Stabsfeldwebel im Ruhestand.

 

Für Ortsvorsteher Walter Rohde ist es eine Herzensangelegenheit, den Menschen in Flechtdorf, in Zeiten von Krankheit und Not, die helfende Hand zu reichen. Dem Waldecker Tagblatt bestätigte der ehemalige Stabsfeldwebel und Zugführer einer Grenadiereinheit das er in seiner Scheune eine kleine Arztpraxis eingerichtet hat: "Hier habe ich alles was ich benötige, einen Stuhl, Kabelbinder, Zangen, Fräsen, Teppichmesser, Doppelkorn und jede Menge Mobilat aus ehemaligen Bundeswehrbeständen um die ganz schwierigen Fälle behandeln zu können", so der  ehemalige Soldat und jetzige Ortsvorsteher. "Sprechstunde ist täglich von morgens 4 bis 5 Uhr, gleich nach dem Frühsport und Abends von 18 bis 19 Uhr. Gelbe Scheine stelle ich grundsätzlich nicht aus, bei mir ist jeder arbeitsfähig, sobald er den Behandlungsstuhl verlässt", weist Ortsvorsteher Rohde mit seiner sensiblen Art auf das Prozedere hin.

 

Unsere Redaktion durfte bei der Behandlung  einer Patientin, die unter erbärmlichen Zahnschmerzen litt, zuschauen. Nach einem fachkundigen Blick des Ortsvorstehers und seiner ausgesprochenen knappen Diagnose: "Backenzahn vereitert, haben wir gleich" wurde die Frau mit Kabelbindern an den Stuhl gefesselt und im Anschluss nach Aufforderung: "Sag mal Ahhhhh", der Backenzahn extrahiert. Rohde: "Durch ein Zusammenspiel der Kräfte wird die Zahnwurzel axial aus ihrem Zahnfach gezogen. Auf den Einsatz von Extraktionsinstrumenten wie Hebel oder Periotome kann vollständig verzichtet werden, hier hält die Schmiedezange aus Großmutters Zeiten wieder Einzug", fachsimpelt der begnadete Handwerker und stopft der behandelten Frau noch etwas Füllmaterial mit der Bemerkung: "Schafwolle wirkt antiseptisch", als Mull-Ersatz in die Zahnlücke. Kostenlos ist die Behandlung allerdings nicht, so achtet der Ortsvorsteher penibel darauf, dass jeder Patient 10 Euro Eigenanteil für das Flechtdorfer Kloster spendet.

 

Im Anschluss an jede Behandlung wird noch ein Doppelkorn der Marke "Fürst Bismarck" hinter die Binden gekippt. Ob sich andere Orte ein Beispiel an dem Flechtdorfer Ortsvorsteher nehmen, darüber wird waldecker-tagblatt.de in Kürze ausführlich berichten. Garantiert!

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Letzte Änderung am Sonntag, 12 Juli 2015 17:36

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