Dienstag, 18 August 2015 00:00

Sinkender Milchpreis und der Ruf nach dem Staat Empfehlung

geschrieben von  Horn Ochse
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Der Bauer und das liebe Vieh Der Bauer und das liebe Vieh Foto: Waldecker Tagblatt

WALDECKER LAND. (wat) Die Freiheit der Bauern endet so schnell, wie sie begonnen hat. Zumindest wirtschaftlich.

Seit einigen Monaten dürfen die Milchbauern in Waldeck ohne Mengenbegrenzung Milch produzieren. Die verhasste Milchquote fiel und die Leibeigenen des Staates wurden in die Marktwirtschaft entlassen.  Das hat bei den Landwirten für Euphorie gesorgt und so schossen neue Kuhställe wie Pilze aus dem Boden. Hecken wurden gerodet, unliebsame Feldwege umgebrochen, Feuchtgebiete drainiert und jeder Quadratmeter Erde mit Gras eingesät um daraus Grasland zu machen. Der Schlachtruf der Kuhhalter "Wo ein Busch wächst, da kann keine Kuh grasen" verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den weiten des Waldecker Landes und dem Herdentrieb folgend, wanderten die Landwirte Lemmingen gleich, dem sicheren Abgrund entgegen. 

 

Während vor zehn Jahren noch drei Schnitte im Grünland gemacht wurden, werden heutzutage die Wiesen fünfmal geschnitten. Liebend gern würden die Landwirte auch noch den sechsten uns siebten Schnitt durchführen, das haut aber aus irgendwelchen Gründen nicht so richtig hin. Milchbauer Marcus Pech aus Waldeck: "Im Winter wächst es nicht so gut, außerdem haben wir Bauern immer mit dem Wetter zu kämpfen und im Januar liegt meistens Schnee", versucht Marcus Pech, seine Verschwörungstheorie zu erklären. Vor 20 Jahren gab eine gute Kuh 2500 Liter Milch im Jahr, sie wurde sieben oder acht Jahre alt, bevor sie zum Schlachter kam, heute sieht das ganze etwas anders aus. Die moderne Milchkuh hat keine Hörner mehr, bringt zwischen 8000 und 10.000 Liter Milch und steht angebunden im sogenannten Laufstall. Die grüne Wiese kennen die Kühe nur aus Erzählungen des Bauern, wenn er im Selbstgespräch an der Raufe das zugekaufte Kraftfutter verfüttert.  Wird eine Kuh älter als zwei Jahre, hat der Landwirt sie einfach übersehen. Der trockene Sommer hat sein übriges getan um die Landwirtschaft in den nahen Konkurs zu treiben. Braune Wiesen, notreife Frucht und eine sich abzeichnende Maisernte, die 75 % unter der des Vorjahres liegen dürfte, machen wenig Lust auf Landwirtschaft.

 

Fakt ist: Der Milchpreis ist eingebrochen und demnächst erhalten die Kuhhalter noch 27 Cent für den Liter Milch auf dem freien Markt. Tendenz fallend. Im Supermarkt steht der Liter Milch für 55 Cent im Regal, Mineralwasser ist da wesentlich teurer.  Nun soll der Staat wieder eingreifen und das Interventionspreisniveau anheben. Im Klartext: Fehlen die Absatzmärkte, kauft der Staat die Milch auf und sichert den Landwirten ihr Einkommen. Das hat aber nun mit freier Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun und so werden die Rufe nach "Mutti Merkel" und Vati Schmidt" immer lauter. Während Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) für eine fünfte Zitze am Kuh-Euter plädiert, möchte sich die Bundeskanzlerin erst kurz vor der Bundestagswahl 2017 der Bauern annehmen.  Natürlich kann man sich der Meinung der Landwirte anschließen und sagen: "Für die Griechen werden Milliarden ausgegeben, für uns arme Bauern bleibt nichts als harte Arbeit und ein leerer Magen". Könnte man, muss man aber nicht, denn die Landwirte wollten den freien Zugang zu den Märkten und das Recht auf freie Preisfindung. Dafür haben sie Jahrzehntelang gekämpft, nicht ahnend, dass die Politik die Bauern in der Vergangenheit vor sich selbst und dem bösen Kapitalismus geschützt hat. 

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Letzte Änderung am Dienstag, 18 August 2015 07:07

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