Montag, 05 Oktober 2015 00:00

Drückjagd: Jäger in Hochsitz gesperrt und zugespaxt Empfehlung

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Die Ansitzeinrichtung wurde zugespaxt Die Ansitzeinrichtung wurde zugespaxt Foto: Waldecker Tagblatt

NÖRDLICHES HESSEN. (wat) Ein Jäger aus Diemelsee darf nur noch in verschlossenen Kanzeln an der Jagd teilnehmen.

Weil sich ein Jäger zum wiederholten male nicht an die Anweisungen des Jagdleiters gehalten hat, wurde der Waidmann in eine fahrbare Erdkanzel gepfercht.  Die Maßnahme ist nicht Bestandteil einer Strafaktion, sondern soll den 67-jährigen Diemelseer vor sich selbst- und andere Tiere schützen. Vorausgegangen war folgende Situation: Der Waidmann wurde vom Ansteller an einer Windwurffläche positioniert, als kurze Zeit später zwei Wachtelhunde und vier Terrier einen Fuchs aufmüden konnten. Der Rotkittel querte mit aufragender Lunte das Sichtfeld des Schützen, der sofort reagierte und die 7 x 64 beispielhaft auf die Reise schicken wollte. Dass das Geschoss nicht beim flüchtigen Fuchs ankam, war allein der Tatsache geschuldet, dass der Schütze mal wieder seine Waffe nicht richtig bedienen konnte. Die Waffe versagte dem Jäger den Gehorsam und anstelle des Schusses, war nur ein lautes Klicken zu hören. Auch das mehrmalige Repetieren der Waffe brachte nicht den gewünschten Erfolg, so dass der Fuchs ungefährdet das rettende Fichtenholz erreichen konnte.

 

Glück im Unglück, wie sich später herausstellen sollte. Ein Hundeführer, der das Treiben des Schützen mit Bewunderung beobachtet hatte, fragte den Jäger, was er denn da so mache. Dieser antwortete auf Nachfrage mit gehetztem Blick: "Ich wollte auf den Fuchs schießen, hatte die Sicherung aber nicht draußen, dafür aber bereits eingestochen", so der Schütze. Auf die Belehrung des Hundeführers, dass bei der Begrüßung am frühen Morgen keine Füchse freigegeben wurden, antwortete der Schütze im O-Ton: "Ich hätte aber trotzdem mal hinterher geschossen". Diese Äußerung sorgte bei den Teilnehmern der Jagdgesellschaft für stummes Rätselraten, wie man der Tragödie Herr werden kann. Einem feinen Jäger aus Heringhausen kam die rettende Idee: "Wir setzen den Jagdfreund in eine fahrbare Kanzel, transportieren den Kerl in eine bürstendichte Fichtendickung ohne Sichtfeld, entladen seine Waffe, schließen Türen und Fenster ab, werfen den Schlüssel weg und setzen die Jagd auf Schwarzwild fort", so der sensible Jäger. Dem Vorschlag wurde mehrheitlich zugestimmt, lediglich dem Wachtelführer mit seinen feinen Manieren war die Vorstellung, dass sich der Verschlossene durchaus selbst befreien und wiederum an der Jagd teilnehmen würde suspekt. Aus Sicherheitsgründen wurde eilig ein Akkuschrauber und Spaxschrauben besorgt und sowohl die Fensterläden als auch die Türen mit 160er Nirosta - Spaxschrauben rüttelfest verschraubt. Ein besonders ängstlicher Jäger nahm anschließend noch den Hammer in die Hand und schlug die Köpfe der Schrauben ab um auf Nummer sicher zu gehen.

 

Geschossen wurde an diesem Tag nicht ein einziges mal. Die Sauen hatten wohl das Weite gesucht. Beim anschließenden Schüsseltreiben fehlte der Jäger mit der immer gesicherten aber grundsätzlich eingestochenen Waffe. Die fahrbare Kanzel wird, - so war man sich einig,  bei den nächsten Drückjagden im äußersten Norden von Nordhessen, als ständiger Begleiter das Jagdgeschehen beeinflussen.

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Letzte Änderung am Dienstag, 06 Oktober 2015 08:21

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