Donnerstag, 22 Oktober 2015 00:00

Big Five : Jäger aus Diemelsee fühlt sich betrogen Empfehlung

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Mit diesem alten K 98 wurde das Mauswiesel erlegt... Mit diesem alten K 98 wurde das Mauswiesel erlegt... Foto: Waldecker Tagblatt

DIEMELSEE/DEUTSCH-SÜDWEST. Die Jagdreise nach "Afrika" endete für einen Upländer Jäger in einem Desaster.

Dem Jäger Karl-Georg Bock aus einem Diemelseer Ortsteil wurde am Jägerstammtisch in Eimelrod versprochen, dass er für kleines Geld die legendären BIG-FIVE  in der Eigenjagd eines Jagdpächters im Revierteil "Deutsch-Südwest" erlegen darf. Wie sich später herausstellen sollte, ist Karl-Georg Bock einem Aufschneider zum Opfer gefallen. Dennoch konnte vor Gericht dem Beschuldigten kein Betrug nachgewiesen werden. Ein "Geschmäckle", wie sich der vorsitzende Richter am Amtsgericht in Korbach ausdrückte, hatte die Angelegenheit aber schon.

 

Die Sache hatte sich an einem Donnerstag im Oktober des Jahres 2014 im Gasthaus Sauer in Eimelrod zugetragen. Der Stammtisch war an diesem Tag gut besucht, acht Jäger aus der Hegegemeinschaft Upland feierten sich selbst in ausgiebiger Gelassenheit ihrer Ruhmestaten bei den zurückliegenden Drückjagden.  Dabei wurden auch einige Jägermeister getrunken und ausreichend dem Gerstensaft  zugesprochen. Eine hausgemachte Schlachteplatte, die von den acht Jägern restlos verputzt wurde, sorgte für das nötige Gegengewicht. Gegen 22 Uhr hat dann ein Jagdpächter aus Heringhausen die BIG-FIVE in seinem Revier "Deutsch-Südwest" angepriesen und eine  Jagdmöglichkeit in Aussicht gestellt. Für kleines Geld, wie der Eigenjagdpächter von "Deutsch-Südwest" mit erhobenem Zeigefinger damals ausdrücklich betonte.

 

Nur 5000 Euro sollte die Jagdreise inclusive Abschuss der Big-Five, Transfer, Jagdführer, Waffentransport, Unterbringung in der Jagdlodge, nebst Getränken und reichlich Essen den Jagdgast kosten. Auch eine weibliche Schönheit wurde angepriesen, diese allerdings gegen Aufpreis von 100 Euro für fünf Tage, um auch in der Nacht das Leben in vollen Zügen genießen zu können. Da der Jagdpächter zufällig einen Vorvertrag bei sich führte, der schnell von Karl-Georg Bock unterschrieben wurde, konnte die Jagdreise bereits zwei Wochen später im November des Jahres 2014 beginnen. Die Zahlung von 5000 Euro erfolgte schon nach wenigen Tagen auf das Konto des Heringhäusers, der sich durch arglistige Erbschleicherei in den vergangenen Jahren ein kleines Vermögen aufgebaut hatte. Nebenbei unterhielt der 54-Jährige ein Geschäft für "Dies und Das - Vermittlungen aller Art", um seiner Steuerpflicht nachzukommen zu können.

 

Vor Gericht erzählte der Geschädigte das er sich von dem Heringhäuser betrogen fühle: "Ich habe von dem Hallodri noch einen alten K 98 für teuer Geld erwerben müssen, dazu einen Anzug in kaki-braun, der mir viel zu eng war und einen Tropenhelm. Alles abgetragene Sachen, die schon mehrfach geflickt wurden", schimpfte Karl-Georg Bock lautstark im Gerichtssaal.  Nach Auskunft des Angeklagten wurde der Jagdreisende pünktlich um 5 Uhr in der Früh mit einem Suzuki Jimny abgeholt und in das zwei Kilometer entfernte Jagdrevier in die Eschenseite gefahren. Dort wurde die Waffe noch einmal angeschossen und die Jagdlodge bezogen. "Das es nach Afrika geht und Karl-Friedrich einen Elefantenbullen, ein Nashorn, einen Kaffernbüffel, einen Leoparden und einen Löwen erlegen darf,  habe ich niemals behauptet", so der gewiefte Taktiker vor Gericht. Die Bemerkung "Südwest" im Vertrag bezog sich nach Angaben des Jagdreisevermittlers auf den Revierteil süd-westlich des Diemelsees, gab der Heringhäuser zu Protokoll. 

 

Weiterhin berichtete der Geschädigte, dass die sogenannte Jagdlodge eine Bretterhütte war, mit einem morschen Bettgestell und verlausten Decken. Der Ofen war nicht in Gang zu kriegen und es war bitterkalt in den Nächten. "Ich habe gefroren wie ein Rübenschwein, während sich der Rumäne mit dicker Daunenjacke und Lammfellmütze einen Amüsanten gemacht hat", beschrieb der kältegeschädigte Jäger die täglichen Ansitze im Revier. Der zugewiesene Jagdführer, ein arbeitsloser Rumäne ohne Zähne begleitete den Jäger in Tropenkleidung  tagsüber und wies ihm die Big-Five zu. Erlegt wurden in fünf Tagen: Eine Dachs, ein Fuchs, ein Waschbär, ein Mauswiesel und eine Türkentaube. "Alles so, wie es laut Vertrag  im Kleingedruckten beschrieben wurde", bestätigte der Rumäne in gebrochenem Deutsch seine vorzügliche Arbeit. Das es in den fünf Tagen nur Dosenmais und mit Sägemehl gestrecktes Kommissbrot zu essen gab, darüber mokierte sich der Diemelseer Jäger auch noch, ebenso ließ er kein gutes Haar an der nächtlichen Gespielin, deren genaues Aussehen erst bei Tageslicht für Grauen sorgte: "An der hat der Nachtfrost schon einige Jahre gearbeitet", sagte der Kläger und bat den Richter um das Höchstmaß an Strafe für den Betrüger.

 

Die Klage wurde abgewiesen und der Beschuldigte in allen Punkten freigesprochen. Dem Kläger hingegen  droht der Jagdscheinentzug, weil er ein Mauswiesel erlegt hatte. Dieses Tier ist laut Jagdgesetz ganzjährig geschont.

Letzte Änderung am Donnerstag, 29 Oktober 2015 08:55

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