Freitag, 30 Oktober 2015 00:00

Praktikant am Bahnübergang bei Volkmarsen vergessen Empfehlung

geschrieben von 
Artikel bewerten
(8 Stimmen)
An diesem Bahnübergang hat Andreas Kreuz ausgeharrt An diesem Bahnübergang hat Andreas Kreuz ausgeharrt Foto: Waldecker Tagblatt

 VOLKMARSEN. (wat) Ein 17-jähriger Schüler hat sein Praktikum an einem Bahnübergang absolviert.

Der 17- jährige Realschüler Andreas Kreuz aus Volkmarsen, hat sich während eines 14-tägigen Praktikums bei der Bahn über die möglichen Vorteile als Bahnmitarbeiter informiert. Schon in der Schule wurde Andreas von seinem Klassenlehrer angesprochen, ob er denn nicht Bahnmitarbeiter werden möchte. "Die Klassenkameraden haben sich damals totgelacht, aber auch ich hatte Freude an dem Gedanken, bei der Bahn zu arbeiten".

Bereits vor zwei Wochen wurde Andreas einem  Bautrupp als Praktikant zugeteilt, der einen Bahnübergang auf der Strecke zwischen Volkmarsen und Korbach neu gestalten sollte. "Der Bauleiter Mustafa S. hat sich meiner liebevoll angenommen und mir deutlich gemacht, dass die größte Gefahr auf der Schiene lauert und ich keinesfalls ohne seine Anweisung meinen Standort verlassen darf. Ich habe sogar eine Rote Weste bekommen, auf der mein Name stand" sagte Andreas voller Stolz dem Waldecker Tagblatt. "Gleich am ersten Arbeitstag hat mich der Mustafa angesprochen, auf einen Punkt am Bahnübergang gezeigt und gesagt, das hier das Andreaskreuz steht". Als dann gegen Mittag, also zum Feierabend, der Bautrupp den Heimweg angetreten ist, harrte Andreas in stoischer Ruhe an seinem Platz aus, der Bautrupp hatte ihn scheinbar vergessen.

Als am nächsten Morgen der erste Zug an ihm vorbei fuhr und er dem Zugführer und den Fahrgästen kräftig gewunken hat und ihm die Gäste aus den Fenstern der Waggons  angenagte Butterbrote, halbvolle Wasser- und Colaflaschen zugeworfen hatten, wusste Andreas, der zum ersten Mal in seinem Leben große Aufmerksamkeit genießen konnte, dass er seinen Berufswunsch Bahnmitarbeiter zu werden, umsetzen möchte. Andreas sagte dem Waldecker Tagblatt: "Als der 11.32 Uhr aus Volkmarsen Richtung Bad Arolsen  an meinem Bahnübegang vorbeifuhr, hat der  Lokführer sogar zu meinen Ehren das Signal 6 mal tüten lassen, da wusste ich, dass ich hier Zuhause bin und meine Bewerbung bei der Bahn abgeben werde.

Um 13.45 Uhr war scheinbar eine Schulklasse  unterwegs, die haben mir sogar Döner, Pizza und Bierdosen zugeworfen und sich mit mir gefreut. In den Tagen danach sind die Züge immer voller geworden, auch Paintballgruppen waren dabei, die mich ausversehen beim Verschießen ihrer Farbmunition getroffen haben. Ich habe mich aber an die Anweisungen von Mustafa gehalten und meinen Platz nicht verlassen. In diesen Tagen habe ich auch den Gruß der Bahnkollegen gelernt, die Lokführer haben mir das vorgemacht. Mehrfaches Kopfschütteln und die flache Hand mit Wischbewegungen wiederholt vor das Gesicht legen bedeute: "Sei gegrüßt Kollege".

Pünktlich zum Wochenende wurde Andreas Kreuz von dem Bautrupp abgeholt, gemeinsam wurde der Bahnübergang von Dönerresten, Müll und Farbpigmenten gereinigt und ein neues Andreaskreuz aufgestellt. Nach unbestätigten Angaben hat Andreas seinen Praktikumsbericht und seine Bewerbung bei der Bahn abgegeben.

Werbung:

 

 

Letzte Änderung am Freitag, 30 Oktober 2015 07:08

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.