Sonntag, 15 November 2015 00:00

Begeisterungsjagd am Diemelsee - Pächter sehr, sehr zufrieden Empfehlung

geschrieben von 
Artikel bewerten
(9 Stimmen)
Hat die Treiber lauthals angerüdet: Wachtelhündin "Kira" Hat die Treiber lauthals angerüdet: Wachtelhündin "Kira" Foto: Waldecker Tagblatt

DIEMELSEE. (wat)  Ein beleibter Jagdpächter aus Diemelsee hat gestern erstmals sein ausgeklügeltes Jagdkonzept in die Tat umgesetzt.

Jagdpächter Neidhard Schiesser aus Heringhausen hat am gestrigen Samstag sieben Sauen, neun Stück Rehwild und einen Fuchs in seinem 150 Hektar großen Revier am Diemelsee erlegt und sich anschließend selbst zum Jagdkönig ernannt. Der als eher jagdneidisch und geizig bekannte Neidhard Schiesser belohnte die Jagdkorona beim Schüsseltreiben ausgiebig mit Freibank-Fleisch und Dosenbier der Marke Karlsquell.

Während sich der Jagdkönig nach der Jagd feiern ließ, als gäbe es kein morgen mehr, wollte an der baufälligen Jagdhütte unter den anderen Jägern keine rechte Stimmung aufkommen. Das Feuer kam auf Grund des nassen Holzes nicht so recht in Gang, Kälte und Nieselregen trieben den Jägern das Wasser in die Augen, das Essen schien nicht zu schmecken und selbst die Dose "Aldis Rache" die jedermann, vom Hundeführer bis zum Schützen zugeteilt bekam, konnte keinen Stimmungsumschwung hervorrufen. Der einzig trockene Platz in der kleinen Jagdhütte gebührte natürlich dem erfolgreichen Jagdpächter.

Was aber aber war geschehen? Jagdpächter Neidhard Schiesser hatte sich dazu durchringen können, nach neun Jahren endlich die erste Drückjagd in seinem Revier durchzuführen. Dazu hatte er seine Jagdfreunde eingeladen und ihnen ein Standgeld von 10 Euro pro Jäger abgenommen. Entgegen der irrigen Annahme, die Jagdhunde nebst Hundeführern durch das Unterholz stapfen zu lassen, befahl der Jagdpächter nach der Begrüßung, dass die Jaghunde und deren Führer auf den Drückjagdständen und Kanzeln Platz nehmen sollten und die Jäger mit entladenen Waffen die Aufgaben wahrzunehmen hatten, das Wild aufzumüden und in einem sogenannten Sternentreiben von außen nach innen auf den einzigen Stand inmitten des Revieres, der mit dem Beständer selbst und seiner geladenen Waffe bestückt war, zuzutreiben. 

Gut drei Stunden wurde durch den Wald getrieben und immer wenn Wild an den mit Hunden besetzten Ständen vorbeizog, gaben die treuen Jagdgesellen freudig Waid- und Sichtlaut. Die beleibten Jäger ohne Patronen in den Waffen, schienen das Geplage nicht gewohnt zu sein. Schweratmig und auf ihre Gewehre gestützt, quälten sich die übergewichtigen Jäger mit ihren schweren Lodenmänteln durch das Unterholz. Noch während des Treibens wurde anstelle von "Ho-Rüd-Ho" und "Hassassaassaassasa", übelste Schimpfkanonaden auf den Beständer losgelassen. Einige schworen der Jagd sogar ab. So neigte der 67-jährige Eckbert Strecker in einem kurzen aber kräftigen Wutanfall dazu, die Waffe neu zu laden und in Richtung Reviermittelpunkt einige Deutschüsse abzugeben. Nur das beherzte Eingreifen der anderen Jäger konnte dieses verhindern.  Auch Hubertus Rübezahl, selbst Jagdpächter einer Gemeindejagd hatte für den Beständer kein gutes Wort übrig: "Jahrelang hat sich der Pharisäer einladen lassen und die besten Stände gefordert, auch beim Essen und trinken hat sich der Geizhals nie zurückgenommen und immer vom Feinsten verzehrt", so der 53-Jährige, gegenüber dem Waldecker Tagblatt. 

Als "Begeisterungsjagd" möchte der Beständer Neidhard Schiesser die Drückjagd am Diemelsee in die Waldecker Geschichte einschreiben lassen. Für die Zukunft allerdings sieht der Pächter die alten Rituale als die bessere Alternative an. Er forderte die Pächter auf, bei den nächsten Drückjagden wieder die Hundeführer und die Hunde auf die Läufe zu schicken.  Bei der Verabschiedung seiner Gäste hatte er für jeden ein dankbares Wort auf den Lippen, den Treiberlohn allerdings blieb er den Hundeführern an diesem Tag mit der Begründung schuldig, sie hätten keine Hunde geführt und sich auf seine Kosten an der Jagd erfreut.

Ob Jagdpächter Neidhard Schiesser im nächsten Jahr eine Gegeneinladung zu den Gesellschaftsjagden erhält, steht noch nicht fest. Die Chanchen sind aber groß.

Letzte Änderung am Montag, 16 November 2015 05:11

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.