Dienstag, 19 Januar 2016 00:00

Hemmighausen: Treiber bei Drückjagd vermisst Empfehlung

geschrieben von 
Artikel bewerten
(16 Stimmen)
Engagierter Hundeführer bei der Arbeit, mit seiner Mauser 66  im Kaliber 8x86 S Engagierter Hundeführer bei der Arbeit, mit seiner Mauser 66 im Kaliber 8x86 S Foto: Waldecker Tagblatt

WALDECKER LAND. (wat) Ein orientierungsloser Treiber wurde am letzten Samstag bei einer Drückjagd vermisst. Mit fatalen Folgen.

Nach Angaben der Jagdpächter begann die revierübergreifende Jagd mit einem Fiasko. Während sich die beiden Beständer der Reviere Hemmighausen und Eimelrod nicht über die Abschusszahlen einigen konnten, wurde ein Jagdberater, ein gewissenloser Hundeführer und Terrierbesitzer aus Münden hinzugezogen, um eine Obergrenze festzulegen. Nach einigem hin und her einigte man sich auf maximal 120 Sauen, 25 Füchse und 70 Stück Rehwild, die in beiden Revieren gemeinsam an diesem Tag zur Strecke kommen sollten.

 

Noch während der Begrüßung durch die beiden Jagdpächter in der Ortsmitte von Hemmighausen, bildeten sich zwei Lager heraus: Die Jagdneider und die Beutegreifer. Während die Jagdneider ausschließlich das Ansinnen hatten, das die Beutegreifer nicht zum Schuss kommen sollten, ließen die Beutegreifer nichts unversucht, den Kontrahenten das Jagen schwer zu machen. So wurde ein Schütze angewiesen, sich ohne Bewegungsspielraum in eine Dornenhecke zu stellen, ein anderer Jäger musste sich als Horchposten in einen Feldschuppen setzen, andere wiederum wurden weit außerhalb des Reviers positioniert ohne auf das Jagdgeschehen Einfluss nehmen zu können. Einem älteren Jäger wurde ganz besonders übel mitgespielt, dieser musste sich ein Iglo bauen, mit Hauptschussrichtung auf eine Mühle zwischen Deisfeld und Eimelrod. Gerüchten zufolge soll der 78-jährige Waidmann noch in der Nacht zu Sonntag die Ansitzeinrichtung aus Schnee fertiggestellt haben. Im Morgengrauen wurde die Frostleiche des alten Haudegens dann geborgen.

 

Besonders perfide gingen die Eimelroder vor. Dessen Beständer hatte einen orientierungslosen Nachbarn aus Recklinghausen mitgebracht, der bereits beim ersten Treiben aus der Treiberwehr ausscherte und im dichten und schneeverwehten Wald spurlos verschwand. Nachdem die Vermisstenmeldung beim Jagdleiter eingegangen war, wurde die Jagd unterbrochen, eine Suchaktion gestartet und der ältere Herr aus Recklinghausen in Deisfeld, einem Ortsteil von Diemlesse gefunden. Auch hier wurde eine Drückjagd abgehalten, allerdings ohne Jagdneid, ohne Missgunst, dafür aber mit riesigem Erfolg, da der orientierungslose Treiber den Deisfelder Schützen bereits nach wenigen Minuten eine starke Sau hochmachte, die Waidgerecht gestreckt werden konnte. Der Treiber wurde in Ehren von der Deisfelder Jägerschaft mit ordentlich Hütt-Bier, Schnäpsen und ausgesuchten Speisen hofiert.

 

Um es kurz zu beschreiben: Während es sich der gewissenlose Hundeführer aus Münden bereits während der Jagdzeit mit seinen Töölen am Lagerfeuer bei Wildwurst, Schnaps und Bier gemütlich gemacht hatte und die anderen Hundeführer durch Eis und Schnee, bergauf, bergab, über Stock und Stein, durchfroren und am Ende ihrer Kräfte versuchten, die Sauen auf die Läufe zu bekommen, fiel in den Revieren Eimelrod und Hemmighausen nicht ein einziger Schuss. Die Deisfelder Jäger wünschen sich für das nächste Jahr mehr von diesen orientierungslosen Treibern aus den Nachbarrevieren und schickten den Revierinhabern von Hemmighausen und Eimelrod eine Bildnachricht auf dem die starke Sau umringt von trunkenen Waidmännern zu sehen war.

 

Die Jagd in Hemmighausen und Eimelrod wurde auch nicht abgeblasen, so dass die Pächter mit einigen wenigen Schützen, die selbständig die Jagd für beendet erklärt hatten beim Schüsseltreiben an einem zugigen Unterstand mit alkoholfreiem Schnaps das Ende der gemeinsamen Drückjagd begossen. Der Rest der Jagdkorona verhoffte bibbernd bis zum Dunkelwerden auf ihren Ständen. Ob es im nächsten Jahr wieder eine revierübergreifende Drückjagd geben wird, ist mit Zweifeln behaftet. Zu groß ist der Argwohn der Beständer auf den ungeliebten Reviernachbarn.

Fotos: Titelbild (Waldecker Tagblatt) rechtes Foto: Privat

Anzeige:

Letzte Änderung am Dienstag, 19 Januar 2016 13:21

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.