Sonntag, 14 Februar 2016 00:00

Korbach: Klinik baut erste Nostalgiestation auf Empfehlung

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Zur Nostalgie-Station Eidinghausen Zur Nostalgie-Station Eidinghausen Foto: 99- jährige Patientin

KORBACH. (wat) Das Kreiskrankenhaus Korbach hat vermutlich die erste nostalgische Krankenstation in Deutschland gegründet.

Das bestätigte gestern eine 99-jährige Patientin, die das Krankenhaus partout nicht mehr verlassen wird, weil es ihr dort so gut gefällt. Wie die ältere Dame gestern auf Nachfrage von waldecker-tagblatt.de der Redaktion mitteilte, wurde die 99-Jährige satte drei Stunden an der Anmeldung warten gelassen, obwohl die Dame von ihrer Hausärztin, mit einer akuten Lungenentzündung in die Korbacher Klinik eingewiesen wurde. Der blutige Auswurf wurde selbständig mit Tempotaschentüchern reguliert. Zuletzt hatte die 99-Jährige derartige Zustände in Stalingrad erlebt, bevor sie 1943 verletzt aus dem Kessel ausgeflogen wurde.  

Nach ihrer geglückten Aufnahme auf die Station Eidinghausen wurde die Patientin in ein Dreibettzimmer gesteckt, das kurzerhand in ein Vierbettzimmer umfunktioniert wurde, weil die komplette Station überfüllt war. Aus Platzmangel wurden die Nachtschränkchen der drei Patientinen auf Zimmer 210 auf den unordentlichen Hauptgang geschoben, so dass keine der bettlägrigen Damen  sich über eine Vorteilnahme beschweren konnte. Doch nicht nur das, Verpflegung gab es an diesem Tag nicht mehr, erst am nächsten Tag wurde der Dame klar, dass sie sich bemerkbar machen musste und ihre Ration lautstark einzufordern. Das man sie auch an diesem Tag vergessen würde zu Verpflegen, kam der alten Frau erst am späten Nachmittag in den Sinn, als der Magen knurrte, genau wie damals im Winter des Jahres 1943. Doch auch hier wurde eilig von den Schwestern der Station Eidinghausen drei Desserts und ein bischen Obst aus dem Hut gezaubert und mit dem Vermerk: "Morgen gibt´s dann was richtiges" ruhig gestellt.

Enttäuscht zeigte sich die 99-Jährige über den ihr zugewiesenen Spind, der anstatt Euro noch mit einem 5 DM Stück verschlossen werden sollte: "Ich hätte mir hier eher die Reichsmark gewünscht", gab die Dame der Redaktion zu Protokoll. Besonders Stolz zeigte sich die 99-jährige Korbacherin, dass sie nicht vor 8 Uhr Duschen durfte, ihr Waschbecken versifft war und die Nacht zum Tag gemacht wurde, weil mindestens drei mal in der Nacht neue Patienten aus- oder in das Zimmer geschoben wurden. Das die vierte Patientin keine Klingel hatte, um in einer Notsituation Hilfe herbeizuholen, erschien der lungenkranken Frau wie eine Botschaft Gottes: "Das Gewimmer der Frau am Kopfende hat mich in die gute alte Zeit zurückversetzt, als wir im Feldlazarett in Russland lagen und auf ein Wunder gehofft hatten", das in Form eines Zettels von einem Arzt ausgestellt wurde um den Rückflug in die Heimat zu ergattern.

Am heutigen Sonntag hat die 99-Jährige endlich ihren Spieseplan erhalten, den sie auch noch ausfüllen möchte, obwohl morgen die Entlassung aus der Nostalgieabteilung des Korbacher Krankenhauses droht. Was der alten Dame mit Sicherheit fehlen wird, sollte sie morgen die Abteilung verlassen müssen, sind die überforderten Schwestern, die ihr die falschen Medikamente verabreicht haben, die ungeputzten Räume und der penetrante Geruch, der sich in den Zimmern und dem Flur verbreitet.   

Für die Zukunft wünscht sich die betagte Korbacherin nur eines: "Das die Pflegedienstleitung wenigstens einmal im Jahr nach dem Rechten sieht und eventuelle Modernisierungsvorhaben im Keim erstickt werden, damit auch in Zukunft andere Patienten auf der Nostalgiewelle reiten dürfen", so die 99-Jährige.

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Letzte Änderung am Sonntag, 14 Februar 2016 19:16

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