Samstag, 05 März 2016 00:00

Jagdpächter von Berufsgenossenschaft überprüft Empfehlung

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Vortrag von Herrn Dippel im Gasthaus Sauer in Eimelrod: Entzetzliches gesehen... Vortrag von Herrn Dippel im Gasthaus Sauer in Eimelrod: Entzetzliches gesehen... Foto: Waldecker Tagblatt

EIMELROD. (wat) Völlig überraschend meldete sich ein Mitarbeiter der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft an. Das Ergebnis war bis auf ein Vorzeigerevier erschreckend.

Als beim Jägerstammtisch in einem Eimelroder Gasthaus am Donnerstag die Nachricht von Bernd Iske eintraf, dass ein Herr Dippel von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau die Hochsitzeinrichtungen in den Revieren überprüfen möchte, traten die Sorgenfalten auf den Stirnen der Jäger weit hervor.  Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet, zumal die BG sich in den letzten 20 Jahren vornehmlich zurückgehalten hatte, was die Überprüfung der Ansitzeinrichtungen in den Jagdrevieren betraf.

Das sollte sich nun ändern: Am 4. Februar, pünktlich um 12 Uhr begaben sich 14 Jäger mit dem Beständer Bernd Iske und Herrn Dippel von der BG in das Revier Mühlenberg in Eimelrod. Sehr wohlwollend äußerte sich Herr Dippel über die Ansitzeinrichtungen, die allesamt nach den Vorschriften der BG gebaut worden waren. Die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) wurden hier penibel eingehalten. Feste Fundamente, Erdanker, Profilleisten, starke Leiterholme, Brustwehren, Knieleisten, Bodenbretter und Haltestangen waren in einem 1 A Zustand und bekamen zusätzlich das Prädikat "Für betreutes Jagen geeignet" verliehen.  Die Pirschwege zu den Sitzen waren säuberlich gefegt, die fahrbaren Kanzeln waren sogar mit grünen  Nummernschildern versehen, neue Verbandskästen waren vorhanden, die Innenräume ordentlich aufgeräumt, selbst Feuchttücher und Kondome waren in einem kleinen Schränkchen deponiert, um für sämtliche Eventualitäten gerüstet zu sein. Das Fazit von Herrn Dippel: "Ausgezeichnet, ein Vorzeigerevier, wie es im Buche steht", so der Prüfer. 

Weiter ging es im Reigen in das nächste Revier in den malerischen Ort Hemminghausen, hier gab der 39-jährige Revierinhaber Dieter Reckmann an, keine Ansitzeinrichtungen zu besitzen, die letzten wären bei einem Flächenbrand vor einigen Wochen vernichtet worden. Die Aussage erschien zunächst glaubwürdig, wurde dann aber durch einen Petzer aus den eigenen Reihen infrage gestellt. Klaus Rohde gab den entscheidenden Tipp und schon war die Korona auf dem Weg in einen abgelegen Revierteil. Hier verdüsterte sich schnell der Gesichtsausdruck von Herrn Dippel bei der Begutachtung einer Ansitzleiter und mit den Worten:  "Mindesteinschlagtiefe für Nägel nicht eingehalten, Scherbeanspruchung nicht ausreichend, billige Holzschrauben aus dem Supermarkt verwendet, fehlende Bodenanker, Kranzhalblinge zu dünn, fehlende Armauflagen, Diagonalkreuze nicht vorhanden,  kein Bio-Holzschutz, keine Bugdolldübel verwendet, miserable Holzauswahl, zu dünne Bodenbretter und geöffnete Hochsitzluken", wurde an diesem Tag der erste Negativeintrag in das Logbuch der BG vergeben. Weitere 33 Ansitzeinrichtungen wurden in diesem Revierteil überprüft und davon waren 32 an Ort und Stelle besenrein zu entsorgen, ein Hochsitz sollte als abschreckendes Beispiel in der Hemmighäuser Gemarkung stehen bleiben, allerdings gesichert durch eine Mahnwache, die Dieter Reckmann selbst stellen musste.

Nach der Besichtigung der Reviere ging es im Anschluss in das edle Gasthaus Sauer in Eimelrod, hier wurden bei Kaffee und Kuchen sämtliche Fotos , die in den Revieren Mühlenberg und Hemmighausen gemacht wurden mit einem Beamer an die Wand geworfen, um auch dem letzten renitenten Waidmann sein eigenes Versagen vor Augen zu führen. Dieter Reckmann schien um 40 Jahre gealtert zu sein. Der nunmehr 79-jährige Beständer aus Hemmighausen musste einem Ordnungswidrigkeitsverfahren zustimmen, für die Bestechungsversuche durch überreichen eines Präsentkorbes an Herrn Dippel gab es  zusätzlich ein Bußgeld von 100 Euro. Dippel: "Eigentlich hätte ich ihnen 200 Euro aufbrummen müssen, da ich den Wert des Korbes aber abziehe, bleibt es bei den 100 Euro, sozusagen ein Mahnma(h)l der besonderen Art".  Mit dem gefüllten Korb im Arm verabschiedete sich Herr Dippel von den 11 Jägern und zwei anwesenden Waidfrauen mit dem Versprechen in Bälde wiederzukommen um nach dem Rechten zu schauen.  

Bildergalerie siehe unten:

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Letzte Änderung am Dienstag, 08 März 2016 19:28

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